Hintergrund

"Zeit ist Hirn"

Wenn ein Patient zwischen Schlaganfall und Thrombolyse-Behandlung Zeit verliert, dann bedeutet das Verlust von Hirnzellen. Das kann tödlich enden oder es bleiben dauerhafte schwere Behinderungen zurück.

In einer Expertenrunde beim Landkreis Cloppenburg hat der international renommierte Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Uni Duisburg-Essen das deutlich gemacht. Seit dreieinhalb Jahren kämpfte der Landkreis an der Seite  des Cloppenburger Krankenhauses um eine neuroligische Abteilung mit Stroke Unit und 30 Betten im St. Josefs-Hospital. „Bei der Sozialministerin in Hannover rennen wir offene Türen ein”, betonte Landrat Johann Wimberg. Dr. Carola Reimann habe erkannt, dass in großen Teilen des Landkreises Cloppenburg keine optimale Versorgung neurologischer Notfälle gegeben ist. In ihrem Konzept gehört Cloppenburg daher zu den ausgewählten Standorten für neue Neurologien.

Aber umliegende Krankenhäuser, die um die Auslastung ihrer eigenen Neurologien fürchten, haben in einem Brandbrief protestiert und das Thema Hannover zu einem heißen Eisen gemacht, an dem sich keiner die Finger verbrennen will. Dabei ist die Situation aus Patientensicht glasklar.

Schaut man sich die Erreichbarkeit der vorhandenen neurologischen Fachabteilungen einmal auf einer Landkarte an, fällt sofort auf: Große Teile des Landkreises Cloppenburg sind unterversorgt, Patienten in diesen Gebieten haben Transportwege von rund 45 Minuten bis zur nächsten Fachklinik. Aus dem Bereich nordwestlich von Friesoythe dauert es sogar noch länger. Das betrifft z.B. Neuscharrel, Gehlenberg, Neuvrees und das westliche Saterland. Nur Barßel, der Südkreis und die Orte direkt an der östlichen Kreisgrenze sind „im grünen Bereich”.

Schauen Sie sich einmal unsere Skizze mit drei Beispielen an. Auch wenn die Zeitfenster je nach Verkehrs- und Wetterlage sicher noch etwas variieren, ist doch eines ganz klar: Die Fahrtzeiten nach Cloppenburg wären erheblich kürzer – und das würde die Überlebens- und Genesungschancen der Patienten deutlich erhöhen.

Mit neuen Betten Abteilungen an bestehenden Standorten zu erweitern, würde den Menschen im Landkreis dagegen überhaupt nichts bringen.

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